Immobilien in der Simulation
Diese Hilfeseite erklärt, wie Immobilien (selbstgenutzt und vermietet) in die Monte-Carlo-Simulation integriert werden.
Übersicht
Immobilien sind ein wichtiger Bestandteil des Vermögens vieler Haushalte. MonteFinance ermöglicht die Integration von bis zu 10 Immobilien mit unterschiedlichen Nutzungsarten:
| Nutzungsart | Beschreibung | Cashflow |
|---|---|---|
| Selbstgenutzt | Eigenheim ohne Mieteinnahmen | Nur Kosten (negativ) |
| Vermietet | Objekt mit Mieteinnahmen | Miete - Kosten (kann positiv oder negativ sein) |
Wie Immobilien die Simulation beeinflussen
flowchart TD
subgraph immo [Immobilien-Modul]
A[Wertentwicklung] --> B[Stochastisch, korreliert mit Aktien]
C[Mieteinnahmen] --> D[Jährliche Steigerung + Leerstandsrisiko]
E[Kosten] --> F[Instandhaltung + Fixkosten]
G[Kredit] --> H[Annuitätentilgung]
I[Verkauf] --> J[Bei geplantem Jahr]
end
subgraph cashflow [Auswirkung auf Simulation]
K[Netto-Cashflow] --> L{Positiv?}
L -->|Ja| M[Reduziert Entnahmebedarf]
L -->|Nein| N[Erhöht Entnahmebedarf]
O[Verkaufserlös] --> P[→ Liquides Vermögen]
end
immo --> cashflow
Die Berechnungsreihenfolge pro Jahr
- Wertentwicklung – Immobilienwert wird stochastisch angepasst
- Mieteinnahmen – Brutto-Miete mit Leerstandsprüfung
- Kosten – Instandhaltung + inflationsbereinigte Fixkosten
- Kreditrate – Zinsen + Tilgung bei Annuitätendarlehen
- Verkauf – Prüfung auf geplantes Verkaufsjahr
- Netto-Cashflow – Summe wird zur Liquidität addiert
Wertentwicklung (Appreciation)
Die Wertsteigerung einer Immobilie wird stochastisch modelliert – genau wie die Aktienrendite:
\(V_{t+1} = V_t \cdot e^{(\mu - \sigma^2/2) + \sigma \cdot Z}\)
| Parameter | Beschreibung | Typischer Wert |
|---|---|---|
| μ (Erwartungswert) | Durchschnittliche jährliche Wertsteigerung | 2% |
| σ (Volatilität) | Schwankungsbreite der Wertsteigerung | 8% |
| Z | Korrelierte Zufallszahl | — |
Korrelation mit dem Aktienmarkt
Der Zufallswert Z für Immobilien ist korreliert mit dem Aktienmarkt:
\(Z_{Immo} = \rho \cdot Z_{Aktien} + \sqrt{1-\rho^2} \cdot Z_{unabhängig}\)
Bei der Standard-Korrelation von ρ = 0.2 bewegen sich Immobilien und Aktien leicht in die gleiche Richtung, aber nicht perfekt synchron.
Auswirkung:
- ρ = 0: Immobilien diversifizieren vollständig
- ρ = 1: Immobilien und Aktien bewegen sich gleich
- ρ = -1: Perfekte Absicherung (unrealistisch)
Mieteinnahmen (nur bei vermieteten Objekten)
Brutto-Kaltmiete
Sie geben die jährliche Brutto-Kaltmiete an. Davon werden automatisch die Verwaltungskosten abgezogen:
\(Netto\text{-}Miete = Brutto\text{-}Miete \cdot (1 - Verwaltungskostenrate)\)
Beispiel: 12.000 € Brutto-Kaltmiete, 10% Verwaltungskosten → 10.800 € Netto-Miete
Jährliche Mietsteigerung
Die Miete wird jährlich um den angegebenen Prozentsatz erhöht:
\(Miete_t = Miete_0 \cdot (1 + Steigerungsrate)^t\)
Leerstandsrisiko
Das Leerstandsrisiko wird als binäres Jahresereignis modelliert:
| Parameter | Bedeutung |
|---|---|
| 5% Leerstandswahrscheinlichkeit | In durchschnittlich 1 von 20 Jahren fällt die gesamte Jahresmiete aus |
Wichtig: Es handelt sich um eine Wahrscheinlichkeit für kompletten Jahres-Leerstand, nicht um eine anteilige Quote!
Kosten
Instandhaltungskosten
Die Instandhaltungskosten werden als Prozentsatz vom aktuellen Immobilienwert berechnet:
\(Instandhaltung = Immobilienwert \cdot Instandhaltungsrate\)
| Typischer Wert | Situation |
|---|---|
| 1.0% | Neuere Immobilie, guter Zustand |
| 1.5% | Durchschnitt |
| 2.0%+ | Ältere Immobilie, erhöhter Sanierungsbedarf |
Fixkosten (Nebenkosten)
Die jährlichen Fixkosten umfassen:
- Grundsteuer
- Gebäudeversicherung
- Ggf. Hausgeld (Eigentumswohnung)
Diese Kosten werden mit der kumulativen Inflation angepasst:
\(Fixkosten_t = Fixkosten_0 \cdot Kumulative Inflation_t\)
Kredite (Annuitätendarlehen)
Wenn eine Restschuld vorhanden ist, wird diese als Annuitätendarlehen behandelt:
Berechnung pro Jahr
1. Zinsen = Restschuld × Zinssatz
2. Tilgung = Jahresrate - Zinsen
3. Restschuld = Restschuld - Tilgung
| Parameter | Beschreibung |
|---|---|
| Restschuld | Aktueller Kreditbetrag |
| Zinssatz | Sollzinssatz p.a. |
| Monatliche Rate | Konstante Annuitätenrate |
Beispiel:
- Restschuld: 200.000 €
- Zinssatz: 3%
- Monatliche Rate: 1.000 € (= 12.000 €/Jahr)
→ Zinsen: 6.000 €
→ Tilgung: 6.000 €
→ Neue Restschuld: 194.000 €
Hinweis: Die Kreditrate ist ein Liquiditäts-Abfluss. Die Tilgung erhöht jedoch Ihr Eigenkapital!
Geplanter Verkauf
Sie können für jede Immobilie ein geplantes Verkaufsjahr angeben. Bei Erreichen dieses Jahres:
- Verkaufspreis = Aktueller Immobilienwert
- Verkaufskosten = Verkaufspreis × Verkaufskostenrate (typisch 10%)
- Netto-Erlös = Verkaufspreis - Verkaufskosten - Restschuld
- Der Netto-Erlös wird dem liquiden Vermögen zugeführt
Verkaufsnebenkosten
Die Verkaufskostenrate (Standard: 10%) umfasst typischerweise:
- Maklergebühren (3-6%)
- Notarkosten (~1.5%)
- Spekulationssteuer (falls anwendbar)
- Sonstige Kosten
Netto-Cashflow
Der Netto-Cashflow einer Immobilie errechnet sich als:
\(Cashflow = Netto\text{-}Mieteinnahmen - Instandhaltung - Fixkosten - Kreditrate\)
| Cashflow | Auswirkung |
|---|---|
| Positiv | Reduziert den Entnahmebedarf aus dem Depot |
| Negativ | Erhöht den Entnahmebedarf (Liquiditätsbelastung) |
Typische Szenarien
| Szenario | Cashflow-Erwartung |
|---|---|
| Eigenheim ohne Kredit | Leicht negativ (nur Kosten) |
| Eigenheim mit Kredit | Stark negativ (Kosten + Tilgung) |
| Vermietung mit Kredit | Variabel (Miete vs. Rate) |
| Vermietung ohne Kredit | Meist positiv |
Ruin-Prüfung und Immobilien
Standard: Nur Liquidität zählt
In der Standard-Einstellung (IncludePropertyEquityInRuinCheck = false) wird bei der Ruin-Prüfung nur das liquide Vermögen (Depot) betrachtet:
Ruin = Liquides Vermögen < Entnahme
Immobilien-Eigenkapital wird ignoriert, da Immobilien nicht sofort verkauft werden können.
Optional: Eigenkapital einbeziehen
Wenn Sie IncludePropertyEquityInRuinCheck = true setzen, wird auch das Immobilien-Eigenkapital berücksichtigt:
Ruin = (Liquides Vermögen + Immobilien-Eigenkapital) < Entnahme
⚠️ Warnung: Diese Einstellung ist optimistisch! Sie impliziert, dass Sie bei Liquiditätsproblemen Immobilien verkaufen würden.
Endvermögen mit Immobilien
Das Gesamtvermögen am Planungshorizont (TotalNetWorth) umfasst:
\(Gesamtvermögen = Liquides Vermögen + Immobilien\text{-}Eigenkapital\)
Wobei: \(Eigenkapital = \sum (Immobilienwert_i - Restschuld_i)\)
Nur nicht-verkaufte Immobilien werden gezählt.
Parameter-Übersicht
Pro Immobilie
| Parameter | Beschreibung | Bereich | Default |
|---|---|---|---|
| Name | Bezeichnung | Max. 50 Zeichen | "Immobilie" |
| Nutzungsart | OwnerOccupied / Rented | — | OwnerOccupied |
| Verkehrswert | Aktueller Wert | 0-10 Mio. € | — |
| Restschuld | Offener Kreditbetrag | 0-15 Mio. € | 0 |
| Zinssatz | Sollzins p.a. | 0-15% | 3% |
| Monatliche Rate | Annuitätenrate | 0-50.000 € | 0 |
| Wertsteigerung | Erwartete Rendite | -5 bis 10% | 2% |
| Volatilität | Schwankungsbreite | 0-30% | 8% |
| Jahres-Bruttomiete | Kaltmiete p.a. | 0-500.000 € | 0 |
| Mietsteigerung | Jährliche Erhöhung | -2 bis 10% | 1.5% |
| Leerstandswahrscheinlichkeit | Kompletter Jahresausfall | 0-50% | 5% |
| Instandhaltung | % vom Wert | 0-5% | 1% |
| Fixkosten | Jährlich (Basisjahr) | 0-50.000 € | 0 |
| Verwaltungskosten | % der Miete | 0-30% | 0 |
| Verkaufsjahr | Geplanter Verkauf | 2000-2150 | — |
| Verkaufskosten | % vom Preis | 0-20% | 10% |
Globale Parameter
| Parameter | Beschreibung | Default |
|---|---|---|
| Korrelation mit Aktien | Gleichlauf der Renditen | 0.2 |
| Eigenkapital in Ruin-Prüfung | Immobilien bei Ruin berücksichtigen | Nein |
| Im Endvermögen ausweisen | Immobilien im Endergebnis zeigen | Ja |
Berechnungsbeispiel
Ausgangssituation
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Immobilie | Vermietete Eigentumswohnung |
| Verkehrswert | 300.000 € |
| Restschuld | 150.000 € |
| Zinssatz | 2.5% |
| Monatliche Rate | 800 € |
| Jahresmiete | 12.000 € (Brutto) |
| Verwaltung | 10% |
| Instandhaltung | 1% |
| Fixkosten | 3.000 € |
Berechnung Jahr 1 (ohne Leerstand)
- Mieteinnahmen: 12.000 € × 0.9 = 10.800 €
- Instandhaltung: 300.000 € × 1% = 3.000 €
- Fixkosten: 3.000 €
- Kreditrate: 800 € × 12 = 9.600 €
- davon Zinsen: 150.000 € × 2.5% = 3.750 €
- davon Tilgung: 9.600 € - 3.750 € = 5.850 €
Netto-Cashflow: 10.800 € - 3.000 € - 3.000 € - 9.600 € = -4.800 €
→ Die Immobilie kostet Sie 4.800 €/Jahr an Liquidität, aber Ihr Eigenkapital steigt um die Tilgung (5.850 €).
Häufige Fragen
Warum ist mein Cashflow negativ, obwohl ich Mieteinnahmen habe?
Bei kreditfinanzierten Immobilien ist der Cashflow oft negativ, da die Tilgung enthalten ist. Die Tilgung ist jedoch Vermögensbildung, kein Verlust!
Werden Steuern berücksichtigt?
Nein, in der aktuellen Version werden Steuern nicht explizit modelliert. Sie sollten daher Netto-Werte (nach Steuern) eingeben, insbesondere bei den Mieteinnahmen.
Kann ich einen zukünftigen Immobilienkauf simulieren?
In der aktuellen Version starten alle Immobilien zu Simulationsbeginn. Ein zukünftiger Kauf kann über Einmal-Ereignisse (Events) approximiert werden.
Was passiert nach dem Verkauf?
Nach dem Verkauf:
- Der Netto-Erlös wird dem liquiden Vermögen zugeführt
- Die Immobilie generiert keine weiteren Cashflows
- Sie wird nicht mehr im Eigenkapital gezählt (kein Double-Counting)
Weiterführende Themen
| Thema | Beschreibung |
|---|---|
| Übersicht | Grundlagen der Monte-Carlo-Simulation |
| Phasenmodell | Anspar- und Entnahmephase |
| Ruin-Definitionen | Wann gilt ein Szenario als gescheitert? |
| Kennzahlen | Erfolgsquote, Endvermögen & mehr |
| Parameter-Referenz | Alle Parameter im Überblick |